Die zukünftige Dichterin wurde am 25. Februar 1871 in Nowohrad-Wolynskyj in der Region Schytomyr geboren. Ihr richtiger Name war Larysa Petriwna Kosatsch-Kwitka. Ihre Familie gehörte der ukrainischen Intelligenzija an, die großen Wert auf Bildung, Kultur und patriotische Werte legte. Die erste Seite – Kindheit und Familie
Die Mutter von Lesja Ukrainka – Olga Drahomanova-Kosatsch – war eine bekannte ukrainische Schriftstellerin, Übersetzerin und Aktivistin unter dem Pseudonym Olena Ptschilka, daher ist es nicht verwunderlich, dass Larysa schon in jungen Jahren in einer kreativen Atmosphäre aufwuchs. Olena fördertе früh Lesjas Interesse an Literatur und Kultur. Im Alter von 4 Jahren konnte das Mädchen bereits lesen und schreiben und im Alter von 6 Jahren begann sie zu sticken.
Das Gedicht "WENN ICH MAL HINFIEL " (Як дитиною бувало) Wenn ich mal hinfiel, als ich rannte, Was vorkam in Kindestagen, Obgleich der Schmerz mich übermannte, Erhob ich mich, ohne zu klagen. "Tut's weh?" - die Frage war gewesen, Doch ich zwang mich, sie zu verneinen, - Als Kind war ich von stolzem Wesen – So lachte ich, um nicht zu weinen. Doch heute, wenn mein Lebensdrama Sich mal in bösem Scherz vollendet Und das gewohnte Panorama Zu einem Unwetter sich wendet, - Befällt mich plötzlich Furcht, die Waffe Des Lachens wieder zu gebrauchen; Da ich den Stolz weit von mir schaffe, Weine ich jetzt, um nicht zu lachen.
Lesja Ukrajinkas Elternhaus war nicht nur ein Ort der Liebe, sondern auch ein Ort der Bildung und Kultur. Ihre Eltern erkannten früh ihre außergewöhnlichen Talente. Ihre Mutter ermutigte sie, Gedichte und Geschichten zu schreiben. Sie lernte mehrere Sprachen: Ukrainisch, Russisch, Polnisch, Französisch, Deutsch und später auch Italienisch und Englisch. Ihr erstes Gedicht schrieb sie im Alter von neun Jahren. Es hieß „Hoffnung“ und war ihrer Tante gewidmet.
Das Gedicht "HOFFNUNG" ("Надія") Das Glück und die Freiheit wird nie wieder mein, Es blieb mir im Leben nur Hoffnung allein: Die Hoffnung zurück in die Heimat zu gehn, Geliebte Ukraine wieder zu sehn,Den blauen Dnipro zu erblicken nochmal, -Ob leben, ob sterben, ist dann mir egal;Zu sehn, wie die Steppe und Felder erblühen, Die glühenden Träume noch einmal zu fühlen... Das Glück und die Freiheit wird nie wieder mein, Es blieb mir im Leben nur Hoffnung allein.
Zweite Seite – die Natur in Schaffen von Lesja Ukrajinka Die Familie Kosatsch verbrachte viel Zeit in Kolodjaschne, einem Dorf in der Region Wolynien, wo sie ein Landhaus besaßen. Dieses Haus war umgeben von Wäldern, Flüssen und Wiesen, die später eine wichtige Inspiration für Lesjas Werke wurden.
Lesja liebte die Natur und schöpfte aus ihr Kraft. Dieses Thema zieht sich wie ein roter Faden durch viele ihrer Werke, insbesondere das Drama „Das Waldlied“. Dieses Werk ist ein lyrisch-dramatisches Märchen, das die Geschichte der Waldnymphe Mawka und eines Menschen Lukasch erzählt. Es ist eine Reflexion über die Harmonie zwischen Mensch und Natur sowie die zerstörerische Kraft des Egoismus.
Das Gedicht "MAWKA" Nicht freuensollst du dich, denn ich habe ihn erlöst. In meinem Herzen fand das Zauberwort ich,dass aus vertierten Wesen Menschen macht. Wenn du nur wüsstest, wie es furchtbar war!Ich schlief den Schlaf der Steine in der Höhle,die tief war, düsterschwarz und feucht und kalt,als eine todgequälte Stimme eindrangdurch undurchdringliches Gestein, ein Heulen,so langgedehnt, so voller wilder Trauer... Es stürzte über tote Wasser, wecktedas längst verstorbne Echo zwischen Felsen... Ich wachte auf. Wie unterirdisches Feuerzerriss mein flammend Leid die Felsenhöhleund stürzte mich ins Leben. Und das Wortbelebte meine stumm gewordne Lippen,das Wunder war vollbracht. Und ich begriff,dass mir vergessen können nicht gegeben..
In Kolodjaschne verbrachte sie auch Zeit mit einfachen Leuten, lernte ihre Bräuche und Lieder kennen, die sie in ihren Gedichten und Geschichten verarbeitete. Das Gedicht "VERGANGENER FRÜHLING" (Давня весна)Es kam der Frühling, hurtig, goldumwoben, Die Sonne strahlte hoch am Firmament, Die Blumen prangten bunt in allen Farben Und Vögel sangen froh am Himmelszelt. Die ganze Erde blühte überall Und legte an ihr neues grünes Kleid,Von frohen Liedern klang das ganze All, Und ich lag krank, einsam in meinem Leid. Ich dachte mir: "Der Frühling kam für jeden, Geschenke hat er allen mitgebracht,Nur mir hat holder Frühling nichts gegeben,Nur mich vergaß der Bote aller Pracht!"
Dritte Seite – Einfluss der Krankheit auf ihre Kindheit. Doch Lesja Ukrajinkas Kindheit war nicht nur voller Bücher und Natur. Sie musste sich früh einer schweren Herausforderung stellen. Im Alter von 10 Jahren wurde bei Lesja Tuberkulose diagnostiziert. Diese Krankheit war damals unheilbar und beeinflusste ihr ganzes Leben. Wegen der Krankheit konnte sie nicht regelmäßig die Schule besuchen, weshalb ihre Mutter sie zu Hause unterrichtete. Trotz der Schmerzen und Einschränkungen entwickelte Lesja eine außergewöhnliche Willenskraft und Disziplin, die sich später in ihrem Werk widerspiegelte. Beispiel: „Contra spem spero!“ – Ein Gedicht, das Hoffnung trotz aller Widrigkeiten ausdrückt. – Dieses Gedicht ist eines der bekanntesten Werke von Lesja Ukrajinka. Es wurde 1890 geschrieben, als sie schwer krank war, und drückt ihren unerschütterlichen Optimismus aus.
Das Gedicht "CONTRA SPEM SPERO!" ("Без надії сподіваюсь!")Fort, ihr Grillen, ihr Wolken im Herbste! Zieht doch goldener Frühling ins Land! Soll in Trauer und bitterem Schmerze Meine Jugend entfliehen, verbannt? Nein, mit Tränen im Aug' will ich lachen, Im Schmerz singen ein fröhliches Lied, Ohne Hoffnung will hoffen und wachen, Leben will ich! Fort trübes Gemüt! Auf dem öden, verlass'nen Gefilde Pflanz' ich Blumen, so herrlich und bunt, Pflanze Blumen im Frost und im Winde Und begieße mit Tränen den Grund!
Vierte Seite – Literarisches Erbe: "Die Kraft ihrer Worte" Lesja Ukrajinka ist nicht nur eine große ukrainische Dichterin, sondern eine der stärksten Stimmen für Freiheit und Menschlichkeit. Ihr Werk spiegelt nicht nur ihre persönliche Stärke, sondern auch den Kampf ihres Volkes für Selbstbestimmung und kulturelle Identität wider. Lesja Ukrajinkas Werk ist vielseitig und tiefgründig. Ihre Schriften behandeln eine breite Palette von Themen, die sie zu einer der universellsten Autorinnen machen.
Ihre Sprache ist poetisch, reich an Metaphern und Symbolik. Sie verband die ukrainische Volkskultur mit europäischen literarischen Trends, wie dem Symbolismus und dem Modernismus. Nun tauchen wir in einige ihrer bekanntesten Werke ein. Sie sind nicht nur Meisterwerke der Literatur, sondern auch Spiegel ihres Geistes. Jetzt lernen wir eines ihrer symbolträchtigsten Werke kennen: „Sieben Saiten“ („Сім струн“). Dieses Gedicht ist ein poetischer Ausdruck der menschlichen Seele und ihrer vielfältigen Facetten. Lasst uns gemeinsam entdecken, was diese sieben Saiten bedeuten und warum sie uns heute noch berühren. Das Gedicht spiegelt die Verbindung zwischen Kunst, Musik und menschlicher Seele wider. Jede der sieben Saiten symbolisiert eine bestimmte Stimmung, Emotion oder Lebenssituation.
Das Gedicht "SIEBEN SAITEN" („Сім струн“)Erste Saite: Symbolisiert Hoffnung und Licht. (Перша струна: символізує надію та світло). Zweite Saite: Steht für Schmerz und Trauer. (Друга струна: символізує біль і смуток). Dritte Saite: Verkörpert Liebe und Leidenschaft. (Третя струна: втілює любов і пристрасть). Vierte Saite: Drückt die Natur und ihre Harmonie aus. (Четверта струна: виражає природу та її гармонію). Fünfte Saite: Reflektiert Kampf und Mut. (П'ята струна: відображає боротьбу та мужність). Sechste Saite: Verbindet mit Melancholie und Nachdenken. (Шоста струна: пов’язана з меланхолією та роздумами). Siebte Saite: Steht für Triumph und Vollkommenheit. (Сьома струна: уособлює тріумф і досконалість).
Lesja Ukrajinka zeigt uns, dass die menschliche Seele komplex und schön ist – wie ein Instrument mit vielen Saiten. Ihre Worte erinnern uns daran, auf jede dieser Saiten zu achten. Lesja Ukrajinkas Worte überdauern die Zeit, weil sie universelle menschliche Werte ansprechen. Sie lehrt uns, dass selbst in den dunkelsten Momenten Hoffnung und Stärke möglich sind.
